Ob man es nun universelles, barrierefreies oder generationenübergreifendes Design nennt, es ist und bleibt dasselbe: der Versuch, Produkte zu entwickeln, die von jedem Menschen ohne Einschränkungen genutzt werden können. Was so bestechend einfach klingt, ist keine leichte Aufgabe. Das weiß auch Designer Stefan Brodbeck.
Selbstbewusst und betont lässig sitzt Stefan Brodbeck da. So entspannt sieht ein Designer aus, dessen Produkte voll im Trend liegen. Gleich sechs Designpreise hat er dieses Jahr schon nach Hause getragen. Einen für das modulare Stauraumsystem Flex Box von Steelcase, zwei für die Badausstattungsserie Lehnen Evolution und gleich drei für den WC-Sitz Malong von Haro Sanitary. Badserie und WC-Sitz gehören einer Gestaltungsgruppe an, die Stefan Brodbeck als Trans-Generationen-Produkte bezeichnet: „Beide sind gezielt auf die Bedürfnisse und Anforderungen älterer Menschen zugeschnitten, sehen jedoch nicht danach aus.“ So seien sie auch für andere Zielgruppen attraktiv.
Seit etwa drei Jahren widmet sich Brodbeck nun schon dem Universal Design. Vor allem weil er erkannt hat, dass die Zielgruppe 50-plus „eines der zukunftsorientiertesten und höchsten Marktpotenziale in sich birgt. Und um dieses Potenzial unternehmerisch nutzen zu können, müsse ein differenziertes und bedarfsgerechtes Angebot geschaffen werden.
Ein Umdenken findet nur langsam statt
Gerade kleinere Firmen, die sich nur durch Alleinstellungsmerkmale behaupten können, seien dazu bereit, den Schritt auf dieses Neuland zu wagen. „Die großen Firmen bleiben dagegen gern bei Produkten, die sich bereits bewährt haben. Hier innovative Ideen einzubringen und ein Umdenken zu initiieren, ist ein zäher Prozess.“ Das musste er feststellen, als er mit seiner Designstudie eines Touch-Screen-Telefons für die Generation 50-plus an mehrere Telekommunikationsunternehmen herantrat. Er ist aber zuversichtlich. „Die Bereitschaft, Dinge zu verändern, mag nicht von heute auf morgen entstehen. Es führt aber kein Weg daran vorbei. Denn die alternde Gesellschaft wird Produkte einfordern, die ihren Anforderungen genügen.“ Diese Produkte müssen ansprechend im Design und einfach und intuitiv zu bedienen sein. Außerdem sollen sie dem Nutzer hohen Komfort, Flexibilität und Sicherheit bieten, um Selbstständigkeit zu ermöglichen. „Ältere haben prinzipiell keine anderen Bedürfnisse als Jüngere. Sie wollen ihre Freizeit genießen, telefonieren, sich entspannen. Nur die Voraussetzungen dafür unterscheiden sich“, weiß Brodbeck.
Gefragt sind schicke, funktionale Produkte
Für Teenager sind Handys mit vielen Funktionen und kleinen Tasten kein Problem, für ältere Menschen sind sie schlicht und einfach nicht zu gebrauchen. „Es geht darum, Design und Brauchbarkeit so zu kombinieren, dass ein Produkt altersunabhängig von jedem Menschen für gut befunden wird.“ Ob die Umsetzung gelungen ist, entscheidet der Verbraucher. Und dabei wird vor allem eines klar: Nicht nur der Gedanke zählt. Ein Produkt, das auf dem Markt durchfällt, bedeutet nicht nur einen finanziellen Verlust, sondern auch einen für das Image. Umso wichtiger ist es, dass die Produkte auf die Bedürfnisse der Konsumenten zugeschnitten sind. Dazu sind im Vorfeld zwei Dinge nötig: eine fundierte Analyse der Zielgruppenansprüche und die Überprüfung der Anwendbarkeit von Produkten. Ist das Stefan Brodbecks Erfolgsrezept? „Es ist sicher kein Fehler, nach den Wünschen und Problemen der Menschen zu fragen, für die man gestaltet.“ Eine Erkenntnis, die angesichts der Produkte auf dem Markt wohl nicht jeder Designer gewonnen hat.