Der Facility Manager 12/2006:  Egghead im Dezember: Stefan Brodbeck


Design based on people:

Ungewöhnliche Wege in der Produktgestaltung geht der Münchener Designer Stefan Brodbeck. Zur Analyse eines neuen Produkts lädt sein Studio alle Personen zum Brainstorming ein, die dafür von Bedeutung sind – bei Duschwannen etwa Hausfrauen und Installateure. Bei Büromöbeln Angestellte, Investoren, Architekten, Facility Manager. Mit seinen Einrichtungsgegenständen feiert die Büromöbelbranche mannigfache Erfolge.

Herr Brodbeck, was macht Sie so erfolgreich?

Stefan Brodbeck: Ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren: Ein klares Ziel vor Augen haben und es konsequent verfolgen, um daran zu wachsen, aber ohne sich dafür zu verdrehen. Das ist Erfolg.

Sehen Sie optimistisch in die Zukunft?

Brodbeck: Ja, weil wir immer nur das Beste aus dem machen können, was gerade ist. Und mit dieser Haltung habe ich in meinem bisherigen Leben viel Positives erlebt. Daher ist die Zukunft etwas Spannendes, dem ich offen entgegensehe.

Erfüllt Sie etwas mit Sorge?

Brodbeck: Die weltweite politische Entwicklung und die Zerstörung unserer Umwelt – global gesehen. Hier muss viel mehr Eigenverantwortung übernommen werden.

Das für Sie persönliche beste Büromöbel?

Brodbeck: Ein Möbel, das sich optimal an die Bedürfnisse der Benutzer anpasst und dabei eine Wertigkeit ausstrahlt, die unabhängig von Modetrends ist. Ich sehe jedoch nicht nur den Büroangestellten, der täglich seinen Arbeitsplatz nutzt, sondern auch die Personen, die die Möbel auf- oder umbauen müssen.

Werden sich die Büroformen verändern?

Brodbeck: Es gibt alles, und das zur gleichen Zeit. Ich wünsche mir indes mehr prozessorientierte Arbeitsplätze, in denen es zum Beispiel Bereiche für konzentriertes Arbeiten gibt, Loungebereiche für informelle Meetings, Projekträume, die sich die Mitarbeiter selbst gestalten – so wie es für sie am optimalsten ist. Genau wie helle, freundliche und abwechslungsreiche Büroflächen und Raumsituationen, um die Motivation und die Gesundheit zu fördern, was letztlich zu mehr Effizienz und Erfolg führt.

Büroeinrichtung und Facility Management: eine notwendige Symbiose?

Brodbeck: Möbel sollen sich den Bedürfnissen der Benutzer anpassen. Daher bin ich der Meinung, dass gute Büromöbel auch die Bedürfnisse der Facility Manager berücksichtigen. So gestalten wir unsere Möbel, indem wir fragen und beobachten: Die Anwender, also den Büroangestellten wie den Facility Manager – wie sie ihre Arbeit erledigen und was für sie wichtig ist.

Büroeinrichtungsfachhandel und Facility Manager: eine friedliche Koexistenz oder mehr?

Brodbeck: Beide sollten aus meiner Sicht an einem Strang ziehen. Was spricht dagegen?

Was ist der in Deutschland für Sie schönste Büroneubau?

Brodbeck: Muss mal wieder mehr Zeitschriften blättern ...

Die weltweit schönsten Neubauten?

Brodbeck: Beieindruckend: die Hauptverwaltung der Swiss Re, London, von den Londonern „Gherkin“ (Gurke) getauft. Ein Beispiel, wie gute Architektur die Skyline einer Stadt positiv verändern kann.

Was ist der schlimmste Büroneubau?

Brodbeck: Die vielen gesichtslosen, investorengetriebenen Büroneubauten, bei denen nur eins zählt: Preis! Da scheinen die Nutzer unwichtig.


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