vier viertel 04/2008:  Wenn Alle profitieren:  Das ist Trans-Generationen-Design


Der Industrie-Designer Stefan Brodbeck entwickelt Produkte, die sich den veränderten Bedürfnissen älterer Zielgruppen anpassen, aber nicht danach aussehen. Ein Gespräch über menschliche Bedürfnisse ohne Alterslimit, die Erschließung neuer Märkte und die Entwicklungslücken von Mobiltelefonen.

Seit circa sechs Jahren beschäftigen sich Stefan Brodbeck und sein Team mit Design für Generationen. design based on people heißt die Philosophie, die das Designkonzept des Büros auf drei Säulen trägt. Die Menschen, für deren Bedürfnisse die Produkte entwickelt werden; die Märkte, in denen sich die Hersteller heute positionieren; die Trends und Produktentwicklungen der Zukunft.

Stefan Brodbeck: „ Je genauer wir unsere Zielgruppen kennen, desto bessere und stimmigere Produkte können wir für sie gestalten.“ Er wählt den Vergleich mit dem Maßanzug des Schneiders, in dem man sich hundertprozentig wohl fühlen muss. „ So sollte auch ein Produkt individuell passen und zu einem echten und langfristigen Wohlfühlerlebnis führen.“

Im demografischen Wandel liegt die Zukunft

Bereits heute ist jeder dritte Bundesbürger über 50 Jahre alt; damit bietet die Generation Plus eines der zukunftsorientiertesten und größten Marktpotentiale. Umso erstaunlicher ist, wie wenig Hersteller sich aktuell damit beschäftigen und dieses Potential für sich nutzen. Der Begriff „barrierefrei“ hat sich mittlerweile etabliert, doch das ist für Stefan Brodbeck „nur ein Teilaspekt, der bei der Gestaltung berücksichtig werden kann – und nicht vordergründig in die Produktpositionierung und in die Kommunikation gehört“.
Bereits einige Jahre bevor das iPhone von Apple auf den Markt gekommen ist, hat brodbeck design ein Touchscreen-Konzept für eine neue Generation von Haustelefonen (siehe Design-Studie Touch phone) entwickelt und einigen renommierten Herstellern angeboten. Die Reaktion war klare Ablehnung – die Aussicht auf einen Markerfolg wurde nicht gesehen. Stefan Brodbeck: „Vor fünf Jahren führte da noch kein Weg hin.“
Zwischenzeitlich entwickelte brodbeck design erfolgreich als Auftragsarbeit für den Kunden DFG ein Mobiltelefon für die Generation 70 Plus – auf der Basis konkreter Gestaltungsvorgaben und Wünsche des Kunden. Das Handy wird voraussichtlich Mitte 2009 auf den Markt kommen.

Was ist gutes Design für Generationen?

Die Frage ist für Stefan Brodbeck leicht zu beantworten: „Wenn Produkte explizit an den Bedürfnissen der Generation Plus orientiert sind – und gleichzeitig generationsübergreifend angenommen werden – emotional und ästhetisch.“ Er fügt hinzu: „Die meisten Bedürfnisse sind doch altersunabhängig. Wenn der Großvater sein Handy aus der Tasche zieht und der Enkel sagt: ‚Cool – das will ich auch.’ Dann haben wir unser Ziel erreicht.“


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